Aktuelles
Rundschreiben Dezember 2011
Achtung! Wegen eines Computercrashs konnte dieses Rundschreiben den Email-Empfängern erst am 8.1.2012 zugestellt werden!
Bitte dieses Schreiben auch weiterleiten und weiterleiten und weiterleiten …….
Mit einem herzlichen Moin Moin
möchte ich vorab allen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern und Sponsorinnen und Sponsoren auch im Namen von Musa Bainda sehr herzlich für ihre Unterstützung danken!!! Ohne Sie/Euch alle hätten wir nicht alles das in Sierra Leone schaffen können, was geschafft wurde.
Auch für die Zukunft bitten wir um ehrenamtliche und/oder finanzielle Unterstützung zugunsten von Kindern und Projekten in Sierra Leone. Bitte erzählen Sie/erzählt von unserem Engagement und leiten Sie/leitet unsere Rundschreiben gern weiter und weiter und weiter….
Allen, auch im Namen von Musa Bainda, wünsche ich ein frohes und geruhsames Weihnachtsfest sowie für das Jahr 2012 und darüber hinaus Gesundheit, Glück, Erfolg und alles Liebe und Gute.
Sodann werde ich heute, 21.12.2011, endlich mein am 8.12. begonnenes Rundschreiben fortsetzen und absenden.
Die Zeitverzögerung ergab sich durch wichtige Termine und einen Treppenunfall (nasse Steinstufen) mit dem Ergebnis einer angebrochenen Rippe sowie Blutergüssen und Hautabschürfungen der gesamten linken Körperseite einschl. des linken Arms und des linken Beins. Mittlerweile habe ich mich aber darauf eingestellt und inzwischen ist alles „nur noch halb so schlimm“.
8.12.2011
Guten Tag Sie/Ihr Lieben,
bin seit dem 1.12. aus SL zurück – aber irgendwie noch nicht wieder ganz fit. Habe komischerweise immer noch mit Müdigkeit und Energielosigkeit zu kämpfen. Auch ging es am Rückkehrtag schon gleich wieder mit Volldampf weiter: Hänger packen für Infostand am Samstag, 3.12.2011, Vorbereiten des Infostandes, Infostand am Samstag von 8.00 bis 20.00 Uhr bei so quasi ununterbrochenem Regenwetter und bedingt dadurch leider auch Einnnahmenverlust. Da kann man nichts machen. Sonntag und Montag Nacharbeitung.
Die Vorbereitungen für die Eröffnungsveranstaltung des Hospitals in Bo/Sierra Leone am 14.11.2011 liefen bis zuletzt auf Hochtouren.
Vor dem Eröffnungstag, am 13.11.2011, waren wir „Weißen“ (Pumoi oder Opoto) zu einem „Welcome“ in Telu eingeladen. Dort wurde Ute Dutzmann die sehr bedeutende Ehrung als Königin/Paramountchief zuteil stellvertretend auch für Eduard Müllenbruch, Helmut Laprell,
Dr. Rainer Dutzmann, Dr. Thorsten Schmidt und Klaus Jakubowski. Solch eine Ehrung findet nur sehr sehr selten und nur für sehr sehr wichtige Personen statt. Vor Ute Dutzmann erhielten nur zwei weitere weiße Frauen diese Ehrung: Ich und Frau Dr. Wiebke Treder.
Die Eröffnung am 14.11.2011 ist sehr gut über die Bühne gegangen. Allerdings wurde bis zur letzten Minute überall noch gewerkelt.
Anwesend war die First-Lady, da dem Präsidenten Koroma etwas Wichtiges dazwischen gekommen war.
Außerdem waren anwesend mehrere Minister, sämtliche wichtigen Paramountchiefs aus den umliegenden Chiefdoms sowie ca. 1000 Gäste.
Nach vielen Ansprachen eröffnete die First-Lady durch Scherenschnitte das Hospital sowie weitere wichtige Räume wie Apotheke, OP-Raum usw.
Im Anschluß an die Feierlichkeit waren wir bei ihr zum „Lunch“ in die „Presidential Lodge“ in Bo eingeladen. Am nächsten Tag trafen wir die First Lady noch einmal - wir waren auf dem Weg zu einem Krankenhaus in Makeni und sie auf dem Weg nach Freetown. Während dieser Begegnung erhielten wir von ihr noch eine Kopie ihrer Eröffnungsrede.
Herr Müllenbruch (RMV-Stiftung) hat dem Hospital einen Krankenwagen gespendet. Er hat den Krankenwagen ausfindig gemacht und zusammen mit seinem Freund Helmut von Hamburg abgeholt. Anschließend wurde der Krankenwagen überholt und nach Rotterdam sowie weiter per Schiff auf den Weg nach Sierra Leone gebracht, um ihn am Eröffnungstag selbst übergeben zu können. Die Übergabe hat aber leider leider nicht geklappt, da das Fahrzeug erst am 17.11., am Tag seiner Rückkehr, freigegeben wurde, was uns sehr sehr leid tat. Es ist ein LT-Diesel-Allradfahrzeug und hat seine ersten Probefahrten auf Buschpisten gut überstanden. Insofern werden wir den vom Pius-Hospital gespendeten zweiten Krankenwagen nur im Ort und auf Asphaltstraßen einsetzen. Das ist eine sehr gute Kombination.
Am 26.11.2011 stellten wir vertretungsweise für Herrn Eduard Müllenbruch den Krankenwagen in Bo und Telu vor. Wir sind damit zunächst in der Stadtmitte von Bo zwei Hauptstraßen rauf- und rutergefahren, die mitlaufenden Krankenschwestern sowie weitere Personen haben gesungen, geklatscht, gelacht, Leute informiert. Nachdem wir wieder beim Hospital waren, haben unsere Krankenschwestern die von Herrn Müllenbruch gespendeten T-Shirts und teilweise auch Kappen wieder ausgezogen und diese an die Kinder im Hospitalumfeld weitergegeben. Nachmittags sind wir nach Telu gefahren. Die Leute in Telu haben gesagt, der Krankenwagen sei so schön, dass man gerne krank sein und sich mit dem Fahrzeug transportieren lassen möchte.
In Telu hat es während der Ansprachen und Verteilung der Müllenbruch-Kappen, T-Shirts, Jojos, Bonbons und Kugelschreiber ein sehr starkes Gewitter mit überaus viel Niederschlag gegeben, wodurch es auch sehr früh dunkel wurde, so dass zuletzt nicht mehr gefilmt werden konnte. Meine Fotos habe ich noch nicht gesehen, insofern weiß ich nicht, wie die geworden sind.
Auf der Rücktour von Telu nach Bo hat der Krankenwagen die durch das Gewitter neu entstandenen Wasserlöcher sehr gut geschafft. In Bo wieder angekommen, versagte auf den letzten 100 m das Licht, da die Batterien durch den hohen Stromverbrauch - die Klimaanlage und Blaulicht waren eingeschaltet - wohl nicht entsprechend nachgeladen werden konnten. Insofern ist man um eine Erfahrung reicher. So fuhren wir nur noch mit den beiden oberen Scheinwerfern bis zum Hospital. Inzwischen ist aber alles in Ordnung.
Die Kappen, Jojos, Bonbons, Kugelschreiber und T-Shirts von Herrn Müllenbruch wurden zum Teil in Bo (zum Teil in Telu) verteilt. Es war eine totale Katastrophe. Die Kinder und teilweise selbst die Erwachsenen haben sich gegenseitig zusammengedrückt, obwohl wir vorher genau besprochen hatten, dass sich alle in eine Reihe aufstellen sollen usw. Teilweise sind die Kinder, die ein T-Shirt bekommen haben, um den Wagen herumgelaufen, haben sich das erhaltene T-Shirt hinten ausgezogen und sich wieder angestellt. Allerdings ist uns das auch sehr schnell aufgefallen. Ja, Not macht eben - auch bei Kindern - erfinderisch. Der „Plan“, alles schön geordnet und ruhig ablaufen zu lassen, hat nicht funktioniert.
In Telu mussten sich alle Kinder auf die Bänke setzen und erhielten Reihe für Reihe von den Krankenschwestern Bonbons und Jojos, die Erwachsenen die Kappen. In Telu haben wir keine T-Shirts mehr ausgegeben, sondern gesagt, dass die Kinder, die in den beiden Schulen gute Ergebnisse erzielen, je ein T-Shirt bekommen sollen, da nicht alle Kinder in Telu ein T-Shirt hätten bekommen können.
In Telu traf ich auch die (ca. 60-jährige) Frau wieder, die ihre Leistenbruchoperation (400,00 €) gut überstanden hat. Sie ist sooooooooooooo glücklich und meinte, jetzt bräuchte sie nur noch ein paar Schuhe und einen Ehemann.
Aufgrund meines Oktober-Rundschreibens betr. Leistenbruchoperationen hat Frau B. K. aus
Oldenburg mir vor meiner Abreise nach Sierra Leone mitteilen lassen, dass sie Geld für drei weitere Leistenbruchoperationen überweisen werde. Diese gute Nachricht wurde auch verkündet. Inzwischen wurden drei weitere Frauen ausgesucht. Sie werden voraussichtlich Anfang 2012 operiert.
Mittwoch, 7.12.2011, gegen 10.00 Uhr konnte ich mit Musa Bainda telefonieren. Er teilte mit, dass er in den letzten Tagen/Nächten wegen Notfälle mit dem Krankenwagen unterwegs war und Kranke in unser Hospital nach Bo bringen musste. Eine Schwangere, die er am Mittwoch abholen musste, konnte er nur bis zur Krankenstation Gundamar (liegt zwischen Bo und Telu) bringen. Die Mutter hat Gott sei Dank überlebt, aber das Baby ist leider gestorben. Musa sagte, die ganze Aktion sei soooooo schrecklich gewesen.
Auf meine provokatorische Frage, was denn die Menschen machen würden, wenn es den Krankenwagen nicht gäbe, antwortete er: „Sie müssen zu Fuß laufen, dann ist es meistens zu spät. Oder sie müssen mit einem Motorrad fahren, was oft aufgrund der Krankheit oder einer Schwangerschaft nicht möglich ist. Oder sie müssen hoch oben auf einem LKW mitfahren, was lebensgefährlich sein kann. Der Krankenwagen hat schon einige Leben gerettet!“
Weiter berichtete Musa (7.12.): Im Hospital sind inzwischen 8 Babys geboren: 4 Mädchen und vier Jungen (inzwischen sind noch mehr Babys hinzugekommen). Davon haben zwei Mädchen den Namen „Gila“ und ein Junge den Namen „Musa“ bekommen (die Leute können es nicht lassen). Musa Bainda sagte, dass es Glück bringen würde, wenn als erstes Kind in einer Familie oder, wie hier in unserem Hospital, ein Mädchen geboren werden würde. Musa Nr. 2 ist bei Taschenlampenlicht geboren - ich war dabei, ein tolles Erlebnis -, da der Junge es zu eilig hatte und wir es nicht schnell genug geschafft haben, das Notstromaggregat anzuschalten. Die Mutter ist 19 Jahre alt und es ist ihr zweites Kind. Das erste Kind hat sie mit 15 Jahren bekommen. Leider ist das keine Ausnahme. Oft sind diese Mütter, die selbst noch Kinder sind, nie zur Schule gegangen bzw. werden früh verheiratet und schwanger oder werden aus Unkenntnis schwanger. Ich habe gesagt, dass zwei oder höchstens drei Kinder genug seien, um diesen die Möglichkeit einer Schulbildung zukommen lassen zu können. Gefragt habe ich sie, wie viele Kinder sie denn noch haben möchte. Antwort: 8 Kinder, da 4 Kinder sowieso sterben würden und die restlichen Kinder für sie sorgen müssten, wenn sie eine alte Frau sei. Insofern bedarf es noch vielerlei Aufklärung, auch in Schulen und unserem Hospital.
Morgens um 8.00 Uhr warten in dem Entbindungswarteraum oft schon über 20 Schwangere und Mütter mit ihren Kindern darauf, behandelt zu werden. Im Laufe des Vormittags kommen weitere Patienten hinzu.
Behandlungen für Schwangere und Kinder unter 5 Jahren sind inzwischen frei. Darüber berichtete auch die First-Lady während der Eröffnung. Das ist natürlich eine tolle Sache und verringert hoffentlich die hohe Mütter- und Kindersterblichkeit. Eine weitere Voraussetzung wäre die Eindämmung/Beendigung von Beschneidungen.
Im großen Warteraum auf der rechten Seite des Hospitals werden Patienten bisher hauptsächlich ambulant versorgt. Das hängt damit zusammen, dass noch nicht allen Menschen das Hospital bekannt ist bzw. noch nicht alle erfahren haben, dass das Hospital eröffnet wurde, da viele Menschen nicht lesen können und weder ein (Batterie-) Radio geschweige denn einen Fernseher besitzen.
Musa Bainda berichtete weiter, dass er angefangen hat, den vorhandenen Wassertankaufbau um drei Wassertanks zu vergrößern, da das vorhandene Wasser nicht ausreicht. Insgesamt handelt es sich um eine Summe von ca. 4.000,00 EURO für Aufbau und Kauf von drei Wassertanks. Unser nächstes Ziel ist es, einen Brunnen für das Hospital bohren lassen zu können.
Für unser Hospital erbitten wir Spenden und/oder Patenschaften unter dem Stichwort: Hospital Bo oder Personalpatenschaft Hospital Bo.
Unsere Grassfield-Schule läuft gut, die Kinder und Lehrer sind sehr motiviert. Die Kinder gehen gern zur Schule und die Lehrkräfte geben Extra-Stunden für lernschwache Kinder und streiken und schlagen nicht.
Inzwischen konnten wir auch die letzten Fragen betr. Schulkauf (90.000,00 EURO Privatkredit) klären.
Steuern in Höhe von 9.000,00 € müssen wir nun nicht mehr bezahlen.
Und unser neuer Rechtsanwalt hat gesagt, wir können ihm für seine Arbeit den Betrag geben, den wir für richtig halten.
Der Kauf wird in nächster Zeit über die Bühne gehen.
Für den Abtrag des Kredits erbitten wir noch Hilfe = Stichwort: Schulkauf.
In Freetown waren Musa Bainda und ich noch kurz im Handicap-Haus.
In meinem Oktober-Rundschreiben hatte ich berichtet, dass dort im Juni 2011 zwei Babys geboren wurden. Diese beiden Mädchen sind leider gestorben. Letztendlich auch kein Wunder bei den schlechten Lebens- und Umfeldbedingungen. Eine traurige Geschichte. Es wäre schön, wenn wir hier irgendwann mal etwas erreichen könnten. Wie bereits erwähnt, hat uns die Regierung ein Grundstück außerhalb Freetowns zur Verfügung gestellt, welches bebaut werden kann.
Der Direktor des Handicap-Hauses berichtete, dass inzwischen jeden Tag die Polizei käme und darauf dränge, das Haus zu verlassen. Aber er fragt: „Wohin sollen wir (150 Leute) gehen? Es gibt zur Zeit keine Alternative für uns!“
Auch besuchten Musa Bainda und ich den Erzbischof Edward Tamba Charles und ein vom Arbeitskreis Dritte Welt, Karken, Ansprechpartnerin Frau Maria Houben, gesponsortes Backofenprojekt. Mit diesem Backofenprojekt werden Prostituierte von der Straße geholt. Zur Zeit wird nur samstags gebacken – 1.000 Brote, die anschließend an Shops und Kirchen ausgeliefert und verkauft werden. Hier besteht der Wunsch nach Unterstützung, um sich vergrößern und noch effektiver und besser arbeiten zu können, um dadurch noch mehr Frauen von der Straße holen zu können. Dieses Projekt hat bei uns einen sehr guten Eindruck hinterlassen.
Anschließend fuhren wir in die Innenstadt und wurden vom Präsidenten Ernest Bai Koroma empfangen.
Weiter haben wir die Organisation „Don Bosco“ in Freetown besucht. Aber Lothar (aus dem Doku-Film „Lothar läuft…“) war leider krank, so dass wir ihn nicht sprechen konnten.
In Makeni besuchten wir das Magbenteh-Krankenhaus von Harald Pfeiffer, für das sich auch der Oldenburger Herr K. Sp. engagiert. Dort wurde uns alles gezeigt. Als sehr bedrückend empfand ich dort den Bereich mit den unterernährten Kindern und die Überbelegung der Entbindungsstation.
Mit Henry fuhr ich auf dem Motorrad (mit dem Auto hätten wir das Dorf nicht erreichen können) nach Mandu wegen „unserer“ Mandu-Schulkinder und weil Frau S. G., Petersfehn, weitere drei Patenschaften (drei Patenschaften hat sie schon) übernehmen möchte.
In Kenema mussten wir zur Beerdigung. Bei der Gelegenheit habe ich erfahren, dass Betty Tucker und ihre Hilfen die Entbindungsstation umbenannt haben in Gila’s-Maternity-Clinic“ (sie können’s nicht lassen), da sie schon seit 1994 Unterstützung von uns bekommen.
Bei der Gelegenheit bat mich Betty Tucker, Frau G. K., Oldenburg, ein big-big-Dankeschön zu übermitteln für die erhaltene 500,00-EURO-Spende. Sie war überglücklich und wird diesen Betrag in der Entbindungsstation einsetzen.
Naja, und noch so vieles anderes – auf jeden Fall gab es keine Freizeit und somit wurde es auch nie langweilig. Habe es diesmal nicht einmal geschafft, ein Tagebuch zu führen, so dass ich mir im nachhinein die Reihenfolge anhand von Fotos notieren muss.
Ach, noch eine „auf-den-letzten-Drücker-Info“: Fast hätte ich nicht zurückkommen können, da das Speetbootunternehmen, bei dem Musa vorab mein Ticket gekauft hatte, ihm falsche Abfahrtzeiten genannt hat. Es hieß, die Boote würden von 15.00 Uhr bis 18.00 Uhr stündlich übersetzen. Als wir dort um 15.30 Uhr ankamen, war das 15.00-Uhr-Boot weg. Wir erhielten die Nachricht, dass das das letzte Boot gewesen sei. Ich habe Musa vorher noch nie so lautstark reagieren hören. Aber der Ticketverkäufer, der ihm diese Auskunft eine Stunde vorher gegeben hatte, zuckte nur mit den Schultern.
Was nun? Es kamen noch ein paar Minister, die mit einem Extraboot übersetzen wollten. Die hätten mich kostenlos mitnehmen wollen, aber der Speetbootunternehmer hat das verhindert. Er meinte, ich könnte auch mit einem Extraboot für 350,00 EURO übersetzen. Bin aus allen Wolken gefallen. Totale Abzocke!
Fazit zu dem Zeitpunkt: Boote weg, Luftkissenboot läuft schon Monate nicht mehr, Hubschrauber auch nicht. Fähre um 18.00 Uhr wäre sowieso zu spät gewesen. Angeblich sollte auch das Konkurrenzspeetbootunternehmen nicht mehr existieren. Wir sind aber trotzdem hingefahren – was blieb uns auch anderes übrig?! Dort war das Boot zum Flughafen gerade seit 5 Minuten weg. Das nächste Boot fuhr um 18.00 Uhr – wäre zu spät gewesen. Nun stand ich wieder da. Dort hat sich der Besitzer bereit erklärt, mich für 200,00 EURO (!) übersetzen zu lassen und den Transport vom Anleger zum Flughafen zu organisieren. Ja, was sollte ich tun? Ich musste. Umbuchen hätte ich nicht können, ein neues Flugticket hätte wegen der Weihnachtszeit inzwischen 2.500,00 EURO gekostet – darüber hatte ich mich schon eine Woche vorher informiert, da ich eigentlich 14 Tage verlängern wollte. Insofern war ich mit 200,00 EURO (zähneknirschend) noch gut bedient.
Also haben die mich in einer Nussschale (so eine Art Freizeitpaddelboot mit Motor!!!), ohne Dach, ohne Haltegriffe, Benzinzufuhr mit Schlauch aus einem offenen Kanister, Kabel wurden per Hand zusammengehalten, zum Flughafenanleger geschippert – einmal und niiiiiiiiiiiiie wieder. Ach ja, das habe ich noch vergessen: Nach ca. 100 m ging der Motor aus und es musste erst mal wieder improvisiert werden. Das muss ich nicht noch einmal haben! Ich hatte irgendwie schon so halb mit meinem kleinen Leben abgeschlossen und überlegt, ob es wohl Haie gäbe.
Aber wiederum hatte die Anfahrt beim zweiten Speetbootunternehmen auch ihr Gutes: Dort wartete ein Herr aus Hamburg auf sein 18.00-Uhr-Boot zum Flughafenanleger für den Mitternachtsflug Freetown-London-Hamburg. Mit ihm sind wir kurz ins Gespräch gekommen. Daraus hat sich ergeben, dass er zunächst 300,00 EURO spenden wollte (was inzwischen auch geschehen ist) und zukünftig monatlich 50,00 EURO für Hospitalpersonalgehalt. Auch hier lag/liegt wieder Positives beim Negativen.
Am 9. Dezember wurden endlich unsere beiden Container, die am 17.11.2011 in Freetown per Schiff eintrafen, freigegeben und konnten am 10. Dezember in Bo ausgeladen werden.
20.12.2011: Musa Bainda berichtete, dass der Krankenwagen ständig im Einsatz sei.
Zur Zeit erfolgen Notrufe noch über Musa Bainda’s Handy. Hier soll erreicht werden, eine einfache Notrufnummer zu erhalten.
Auch machen er und sein Team sich Gedanken über die Einführung einer Krankenversicherung.
In Oldenburg nun konnten mit ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern unsere beiden Infostände am 3. und 17.12.2011 durchgeführt werden.
Am 19.12.2011, in der Zeit von 12.00 bis 13.00 Uhr waren wir mit drei Personen zu einem Radiointerview -Plattenkiste- beim NDR 1 in Hannover eingeladen.
Die letzte Aktion ist unser schon seit 1986 stattfindendes Weihnachtssingen zugunsten von Kindern und Projekten in Sierra Leone am 24.12.2011, 17.15 Uhr bis ca. 18.15 Uhr, im Eibenweg 25.
Viele liebe Grüße und vielen herzlichen Dank an alle ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer sowie an alle Spenderinnen und Spender!
Bitte unterstützen Sie / unterstützt uns auch weiterhin, da wir nur durch Ihre/Eure Hilfe helfen können.
Gisela Bednarek
Eröffnung der Krankenstation
Endlich ist es soweit:
Am 14. November 2011 wird das Krankenhaus in Bo nach vier Jahren Bauzeit feierlich eröffnet!
Weitere Informationen finden Sie unter: www.5-fuer-clinic-bo.de
Rundschreiben Oktober 2011
Mit einem herzlichen Moin Moin begrüße ich Sie/Dich/Euch zu einem längeren Rundschreiben mit Terminen, Patenschaftsgesuchen, Informationen und Fotos.
Infostandtermine:
15.10.2011, Lange Straße 77 vor der Hof-Apotheke – neben Leffers
03.12.2011, Lange Straße 77 vor der Hof-Apotheke – neben Leffers
17.12.2011, Lange Straße 77 vor der Hof-Apotheke – neben Leffers
Für unsere Infostände suchen wir noch Hilfen und KuchenspenderInnen.
Dafür melden Sie sich bitte bei Anja Arndt, Tel.: 83 003 und
Dr. Wiebke Treder: 99 87 956 + 0175 - 40 45 777.
Frau Dr. Treder ist noch bis zum 9.10.2011 in Kenia. Sie arbeitet dort sechs Wochen ehrenamtlich mit Ärzte ohne Grenzen.
Weihnachtssingen = 24.12.2011, 17.15 Uhr bis ca. 18.15 Uhr im Eibenweg 25, 26131 Oldenburg.
Container:
In der zweiten Hälfte Oktober müssen zwei Container für Sierra Leone gepackt werden. Alle Paten haben die Gelegenheit, Päckchen, Briefe usw. für ihre Patenkinder mitzugeben. Bitte diese bis spätestens am Sonntag, 16. Oktober, hier abgeben.
Gesucht werden Helferinnen und Helfer zum Packen von zwei Containern für Sierra Leone in der zweiten Oktoberhälfte bei der Spedition Deus in Tweelbäke, Friedrich-Wilhelm-Deus-Straße 4-6, Oldenburg, und zwar während der Woche. Ein Termin kann nur kurzfristig bekanntgegeben werden.
Wer also während der Woche Zeit hätte, möchte sich bitte bis zum 16. Oktober bei mir melden: Tel.: 50 22 85 (AB).
Internationales Zertifikat
Unser internationales NGO-Zertifikat haben wir diesmal für zwei Jahre bekommen.
Rückkehr nach Deutschland
Seit dem 14. Juni 2011 bin ich nach einem 10-wöchigen Aufenthalt aus dem 40 Grad heißen und feuchten Sierra Leone gesund wieder in Deutschland angekommen. Seitdem gab -und gibt es immer noch- viel Arbeit und viel aufzuarbeiten.
Allerdings bin ich auch schon bald wieder in Sierra Leone zur Eröffnung des Hospitals am 14.11.2011.
Während der letzten 14 Tage meines Aufenthalts in Sierra Leone begann die Regenzeit und es gab sehr heftige Regenfälle, oft in Verbindung mit starken Gewittern. Nach meiner Rückkehr erzählte Musa Bainda mir des öfteren am Telefon, dass die Regenfälle immer stärker und die Regenpausen immer kürzer werden. Und es sei sehr sehr kalt – 28 Grad!
Die Regenzeit dauert noch bis ca. Ende Oktober/Anfang November 2011.
Überblick Patenschaftsgesuche / finanzielle Unterstützung:
- Hospital Bo – Personalpatenschaften für ca. 2 Jahre
- Entbindungsstation Kenema
- Leistenbruchoperationen Telu
- Hawanatu Hemoh – Patenschaft ab November 2011
Hospital Bo – Eröffnung am 14.11.2011
Um in der Anfangszeit die laufenden Kosten abdecken zu können, bitten wir um Personalpatenschaften für Ärzte, Krankenschwestern, Hausmeister sowie Reinigungskräfte für ca. 2 Jahre unter dem Stichwort „Hospital Bo“.
Im Hospital in Bo wurden/werden die Innenarbeiten fortgesetzt. Hier mussten und müssen noch einige Veränderungen vorgenommen werden. Auch ist die Elektroinstallation noch nicht abgeschlossen – das übernimmt ab Anfang November Klaus Jakubowski mit Antony und Fäka. Das Reinigungspersonal ist schon seit längerem dabei, Betten, Liegen, Bettwäsche usw. usw. zu reinigen und zu waschen. Wenn die beiden jetzigen Lagerräume im Hospital geräumt sind, müssen dort Fenster eingesetzt und die Räume gestrichen werden. Zur Zeit wird ein großer Operationsraum gefliest. Kurz vor Eröffnung hat noch der Zweitanstrich sämtlicher Innenräume zu erfolgen. Anschließend werden die Räume bestückt.
Im Lager wurden die Innenräume und Decken verputzt, der Zementboden eingebracht und Fenster, Sicherheitsgitter und Sicherheitstüren eingesetzt.
Entbindungsstation Betty Tucker
Die Entbindungsstation von Betty Tucker in Kenema -Betty Tucker müsste inzwischen ca. 70 Jahre alt sein- setzt sich immer noch für Frauen und Kinder ein, die eine Behandlung nicht bezahlen können. Sie würde sich über finanzielle Unterstützung für die Entbindungsstation sehr freuen.
Stichwort „Entbindungsstation Kenema“.
Betty Tucker hat im Mai unser Hospital besucht und war sehr beeindruckt. Bei der Gelegenheit erfuhr ich, dass von ihr 6 „fremde“ Kinder im Alter von 3 bis 12 Jahre versorgt und zur Schule geschickt werden. Diese Kinder wurden als Babys oder Kleinstkinder einfach bei ihr zurückgelassen, abgegeben oder ausgesetzt.
Für diese Kinder will auch der von Studenten in München neu gegründete Verein „Unlimitedpartnership“ Patenschaften suchen, weil Betty Tucker diese finanziellen Belastungen nicht mehr tragen kann.
Krankenstation Telu
Sehr positiv überrascht war ich über die gute Entwicklung der Krankenstation im Dorf Telu.
Es gibt einen großen offenen Warteraum, einen Behandlungsraum und sogar eine kleine Entbindungsstation. Wir haben die Krankenstation Ende Mai mit Verbandsmaterial usw. versorgt, da zur Zeit sehr viele Menschen bedingt durch die Regenzeit an Malaria und entzündeten Wunden leiden, die sie sich auf den Farmen zugezogen haben/zuziehen.
Auch gibt es mehrere Frauen und Kinder, die unter Leistenbrüchen leiden. Für eine Frau ermöglichten wir am 24.6.2011 eine Operation, die inkl. Medikamente, Essen usw. 400,00 € kostete. Alles ist gut verlaufen und die Frau ist total glücklich über diese Chance. Aber wie gesagt, es warten noch weitere Frauen und Kinder in Telu auf solch eine Chance. Wer kann für weitere Operationen finanzielle Hilfe leisten?
Stichwort „Operationen Telu“.
Auch brachten wir zwei Matratzen nach Telu für zwei alte und kranke Frauen, die bisher auf dem Steinboden gelegen/geschlafen haben.
Backofenprojekt in Telu
In Telu hat Frau L. M. aus Oldenburg den Bau eines Backofens ermöglicht. Dieser Backofen ist jetzt in Betrieb und versorgt das Dorf Telu sowie umliegende Dörfer mit Brot. Die Dorfgemeinschaft Telu ist sehr glücklich über diese Chance und dankt Frau M. sehr für diesen Backofen.
Ein Überschuß kommt in einen sog. „sozialen Topf“ für Notsituationen, z.B. für Menschen in Telu, die während der Regenzeit hungern. Während der Regenzeit hungern viele Menschen.
Patenschaft für Hawanatu Hemoh in Bo ab November 2011 = ¼-jährlich 100,00 €
Gesucht wird eine Patenschaft für Hawanatu Hemoh -ein tolles Mädchen.
Hawanatu ist 20 Jahre alt. Ich habe sie im Mai im Hospital kennengelernt. Sie ist einfach gekommen und hat mehrere Tage ohne Lohn gearbeitet. Warum? Sie musste ihre Schule aufgeben, weil sie die Schulkosten nicht aufbringen konnte = vierteljährlich 100,00 EURO. Um in der fremden Familie, bei der sie in Bo untergekommen ist, nicht ihre Zeit zu verschwenden, kam sie jeden Morgen nach einem einstündigen Fußmarsch um 7.00 Uhr ins Hospital und ging den gleichen Weg abends um 17.00 Uhr -oft auch erst später- wieder zurück in die fremde Familie. Die Lebensbedingungen in der Familie, 2 Erwachsene und 5 Kinder, sind sehr schwierig: Sie lebt im Slum mit viel Lärm, Schmutz und wenig Essen.
Musa Bainda hat ihr gesagt, dass das so nicht gehe, sie dürfe nicht inoffiziell im Hospital arbeiten. Sie war total niedergeschlagen und traurig.
Wir haben uns mit ihr zusammengesetzt und sind so verblieben, dass sie vom 1. Juni bis Ende August offiziell eingestellt wird und auch einen kleinen Lohn und eine tägliche Mahlzeit bekommt.
Von dem Lohn könne sie dann ihre Schulgebühren bezahlen und ab September wieder zur Schule gehen. Sie wusste nicht, ob sie weinen oder lachen sollte, da Ihr Lohn bei weitem nicht ausreichen würde, um davon die Schule zu finanzieren. Nachdem wir ihr eröffneten, dass der Verein zunächst für zwei Monate das Schulgeld auffüllen würde, strahlte sie nur noch.
Seit September geht Hawanatu wieder zur Schule und ist überaus glücklich darüber.
Wenn sie zwischendurch oder am Wochenende Zeit hat, lässt sie sich nicht davon abhalten, im Hospital zu helfen.
Stichwort: „Hawanatu Hemoh“.
Patenschaften / Gelder für Handicap-Projekt in Freetown – längerer Bericht mit Vorgeschichte
oder: Wie man zu einem neuen Projekt kommt, ohne es zu ahnen.
Musa Bainda und ich sind am 3.6.2011 von Bo aus nach Magburaka gefahren – 2 x 3 ½ Stunden schwierige Pistenfahrt, um Fatmata B. zu berichten, dass für ihre Zwillinge eine Patenschaft gefunden wurde.
Musa Bainda hatte in Magburaka vor einiger Zeit Fatmata B., eine an Polio erkrankte 23-jährige Frau, die aufgrund ihrer Behinderung keine Schule besuchen konnte und durfte, in sehr schlechten Lebensverhältnissen kennengelernt. Er berichtete mir, dass Fatmata für ihr am 13.2.2009 geborenes Zwillingspärchen dringend eine Patenschaft benötige.
Fatmata lebte bis vor kurzem mit ihrem auch an Polio erkrankten Lebensgefährten Bobo F. zusammen. Bobo F. ist wieder in sein Dorf Massanga zurückgekehrt und mit ihm das erste Kind der beiden, ein vierjähriger Junge. Die Zwillinge, das Mädchen Hassanatu F. und der Junge Ahlassan F., leben bei Fatmata. Sie sind gesund und munter. In ihrer Unterkunft, ca. 2,50 x 3 m groß, stand ein einziges Bett für Fatmata und ihre Zwillinge. Für sich und den Lebensunterhalt ihrer Kinder bekam sie manchmal Hilfe und Lebensmittel von Nachbarn und Verwandten.
Wir haben ihr einen Rollstuhl, Bettwäsche, Handtücher, Kinderkleidung, Verbandsmaterial und Patenschaftsgeld ausgehändigt.
Fatmata erzählte uns, dass sie gerne in das Handicap-Haus nach Freetown gehen möchte, da sie sich vorstellte, dass dort das Leben für sie einfacher sei.
Wir haben ihr zugesagt, uns dieses Haus einmal anzusehen und ihr dann zu berichten.
Am 11.6. -zwei Tage vor meiner Abreise- haben Musa Bainda und ich nachmittags -es regnete- das Handicap-Haus in der Ecowas-Street in Freetown aufgesucht und uns dort beim (an Polio erkrankten) Koordinator Mr. Santigie Buya Sessay vorgestellt, weil der (auch an Polio erkrankte) Direktor Mr. Abdul Thomas Sessay (sie sind nicht miteinander verwandt) nicht anwesend war. Wir haben ihm berichtet, dass wir wegen Fatmata B. kämen und uns das Haus ansehen und etwas über die Lebensbedingungen erfahren möchten.
Das sehr alte und verkommene Haus besteht aus einem Erdgeschoß und einer 1. und 2. Etage mit Blechdach. Im Erdgeschoß befinden sich kleine Geschäfte. Die Behinderten müssen sich in die 1. und 2. Etage hoch- und wieder hinunterquälen.
Nach einem Rebellenüberfall u.a. auch auf die Handicap-Unterkunft in Makeni, haben sich die behinderten Überlebenden von Makeni nach Freetown durchschlagen können (fragt mich nicht wie, ich kann es mir kaum vorstellen) und sich zunächst im Stadion in Freetown gesammelt. Dort mussten sie einige Zeit aushalten, bis sie das Haus in der Ecowas-Street vom Ministerium zugewiesen bekamen, weil es leer stand und es scheinbar keine Besitzer mehr gab oder diese sich ins Ausland abgesetzt hatten.
Als Musa Bainda und ich Herrn Sessay über die dunklen engen, abgenutzen, abfallenden und nassen Steinstufen in den ersten Stock folgten, was schon für uns schwierig war, fanden wir dort Fatmata mit ihren Zwillingen vor. Wir waren total geschockt. Sie lag mit ihren Kindern auf einem Stück Stoff auf dem Steinfußboden – wie auch so viele andere Frauen und Kinder. Sie hatte am Dienstag, 7.6., eine Möglichkeit gefunden, mit ihren Kindern nach Freetown zu gelangen.
Sie berichtete uns, dass die Lebensbedingungen im Handicap-Haus total schlecht seien und sie auch bereits zweimal die Treppe hinuntergefallen sei. Aber hier sei sie unter ihresgleichen und das sei wiederum positiv.
Musa Bainda hat ihr einen alten Schlafsack, den er im Auto zum Abdecken von Material liegen hatte, sowie Geld für Lebensmittel ausgehändigt.
In dem Haus hielten sich ca. 40 Erwachsene inkl. Kinder auf und damit war es schon übervoll.
Herr Sessay erzählte uns, dass insgesamt 130 Menschen in dem Haus „leben“, daß zur Zeit aber viele draußen seien, um in den Straßen zu betteln. Die meisten Menschen seien an Polio erkrankt, aber es seien auch Menschen im Haus, denen die Rebellen Arme und/oder Beine, Pobacken usw. mit dem Buschmesser abschlugen.
Die Menschen bekommen keinerlei Unterstützung, weder für Kleidung, Bettwäsche, Hygieneartikel, Lebensmittel oder eine Krankenversorgung. Sie müssen selbst sehen, wie sie zurecht kommen.
Alle Behinderte werden in der Regel von den Behörden ignoriert, einige Behinderte werden auch von ihren Verwandten ignoriert und ausgestoßen, einige Behinderte bekommen von Verwandten Reis und Öl, damit sie Mahlzeiten zubereiten können. Alle Lebensmittel/Gelder werden geteilt. Dafür ist die von ihnen gewählte „Finanzministerin“ zuständig.
Nur im Erdgeschoß gibt es für alle 130 Personen eine Toilette und eine Dusche für Frauen und eine Toilette und eine Dusche für Männer, jeweils in der Größe von ca. 1,50 x 1,50 m. Alle Räume sind sehr dunkel. In den beiden Toilettenräumen steht nur eine Toilettenschüssel mit einem Wassereimer, ein Handwaschbecken gibt es nicht. In den zwei Duschen gibt es einen gemauerten Sockel zum Hinsetzen mit einer Dusche darüber, die manchmal funktioniert, manchmal aber auch nicht. Die Behinderten müssen also immer aus dem ersten und zweiten Stock in das Erdgeschoß gelangen. Es gibt viele Unfälle, weil sie aufgrund ihrer Behinderung auf den Treppen abrutschen.
Herr Sessay erzählte weiter, dass manchmal ein Schreiben mit der Bitte um Geld oder mit der Bitte um Lebensmittel zu den Libanesen (dort sitzt u.a. das Geld) und zu anderen Organisationen gebracht wird und manchmal bekämen sie dann auch einen Sack Reis und Öl. Das würde aber nie reichen, um jeden Tag eine Mahlzeit zu sich nehmen zu können.
Gekocht wird in den engen Gängen der 1. und 2. Etage sowie im Erdgeschoß, wodurch es des öfteren zu Verbrennungen kommt. Dort wird auch die Wäsche (mit der Hand) gewaschen. Ein mühsames Unterfangen für die Behinderten. Außerdem sind die Gänge durch das Seifenwasser naß und glitschig. Aber es gibt keine Alternativen.
Es gibt keine eigenen Räume für die 130 Menschen. Viele Menschen schlafen draußen auf dem Gehweg. In einem Vorraum im ersten Stock leben/schlafen ca. 30 Erwachsene und ein paar Kinder auf den Steinfußböden ohne Decken, Kissen und Moskitonetzen, andere leben/schlafen in Verschlägen. Auch der Direktor und der Koordinator haben nur abgeteilte -allerdings etwas größere- Verschläge, weil sie dort auch „Papierkram“ erledigen müssen.
Die vorhandenen Räume wurden in matratzengroße Verschläge aufgeteilt. In diesen Verschlägen leben/schlafen 4 – 6 Personen abwechselnd. Es gibt kein Licht, keine Luft, keine Sonne.
Sie alle leben in total menschenunwürdigen Verhältnissen. Wenn sich in einem Verschlag ein Fenster (ohne Scheiben) befindet, wird in dieses Fenster die Kleidung zum Trocknen aufgehängt. Dadurch dringt kaum noch Luft und Licht durch die Fenster.
Viele persönliche Sachen haben die Menschen nicht, nur das, war sie am Leib tragen, in ihren kleinen Bündeln oder in ihren Verschlägen aufbewahren.
Und die Kinder gehen nicht zur Schule, da das Schulgeld nicht aufgebracht werden kann.
Herr Sessay ging mit uns durch die Gänge und zeigte uns verschiedene Verschläge, indem er jeweils ein Tuch vor dem Verschlag beiseite nahm oder eine Brettertür öffnete.
Es war total dunkel und wir wußten nicht, was uns erwartete. In der Dunkelheit konnten wir in den Verschlägen absolut nichts erkennen. Somit habe ich meinen Fotoapparat einfach in die Dunkelheit der Verschläge gehalten und auf den Auslöser gedrückt. Erst im Blitzlicht erkannte ich, dass Menschen in den Verschläge lagen oder saßen. Ich war total erschrocken und entsetzt.
Z.B. lag in einem dieser Verschläge die an Polio erkrankte Frau Hassanatu M., sie war im 8. Monat schwanger. Vor kurzem war sie die Treppe hinuntergefallen. Man ist mit ihr ins Regierungs(!)krankenhaus gefahren. Und obwohl sie Geld für eine Untersuchung bei sich hatte, wurde sie nicht behandelt, sondern schlicht und einfach ignoriert. Es blieb ihr nichts anderes übrig, als wieder umzukehren.
Der Koordinator berichtete, dass im Mai drei Personen gestorben seien, weil sie im Regierungs(!)krankenhaus ignoriert und nicht behandelt wurden bzw. gesagt wurde, es gäbe kein Bett usw. usw.
Frau M. war aufgrund des Sturzes übersät mit Hämatomen, außerdem ist ihr Körper zu 50 % übersät mit Hautausschlag – wahrscheinlich bedingt durch den psychischen Druck und/oder die fürchterlichen Lebensumstände. Wir haben ihr Geld gegeben, damit sie in ein anderes Krankenhaus gebracht und untersucht wird. Ihr Mann, Herr D., der auch an Polio erkrankt ist, war über diese Möglichkeit sehr froh. Die beiden haben drei Söhne im Alter von ca. 6 bis 10 Jahre. Zwei tolle aufgeweckte Söhne leben im Handicap-Haus, ein Sohn lebt bei Verwandten im Dorf. Sie alle vier -bald fünf- teilen sich den matratzengroßen dunklen Verschlag. Herr D. sagte mir, er wäre überglücklich, wenn sie eine Tochter bekämen.
Inzwischen haben sie auch eine Tochter bekommen.
Eine andere Frau hatte am Tag zuvor entbunden und lag mit ihrem Baby sowie mit einer weiteren Frau in ihrem matratzengroßen Verschlag auf der Matratze. Auch hier konnte ich in der Dunkelheit nichts erkennen. Auch sie wurde erst durch das Blitzlicht sichtbar und zeigte uns anschließend ihr Baby. Auch dieser Frau gaben wir Geld, um sich und ihr Baby mit dem Nötigsten versorgen zu können.
Und auch sie muss mehrmals täglich über die schlechten Treppen zur Toilette/Dusche ins EG.
Nicht nur für diese beiden Frauen, sondern für alle ist es sehr schwierig und gefährlich, die Treppen jeweils ein bzw. zwei Stockwerke in das Erdgeschoß zur Toilette/Dusche oder nach draußen und wieder zurück überwinden zu müssen. Hinzu kommen, vor allem auch für die Frauen, die gerade entbunden haben, die fehlenden Hygienemöglichkeiten.
Es gibt in dem Haus keinen Strom oder ein Notstromaggregat. Das bedeutet, dass während der Nacht die Überwindung der Treppen und Gänge doppelt schwer und gefährlich ist.
Musa Bainda und ich haben schon viele schlimme Lebenssituationen in SL gesehen, aber so schlechte Unterbringungs- und Lebensbedingungen haben wir beide noch nicht gesehen. Selbst die Menschen im Slum leben besser, sie haben jedenfalls noch Licht, Luft und Sonne und können ihre Arme und Beine benutzen.
Bis zum 11. Mai 2011 haben einige Menschen in diesem Haus eine Ausbildung an gespendeten 18 Computern (durch den Koordinator), 8 Tretnähmaschinen oder für Metallarbeiten bekommen. Mit Erlösen aus der Arbeit konnten sie etwas Geld erhalten, um wiederum Lebensmittel kaufen zu können.
Am 11. Mai gegen Abend kam die Polizei mit 20 Kanistern Tränengas und hat das Haus ausgeräuchert, Computer und Nähmaschinen und alles andere vorhandene Material zerstört und sogar das Dach durchstoßen. Es hatte sich der Hausbesitzer gemeldet und -wie wir alle annehmen- die Polizei für diese Aktion bestochen. Die Erwachsenen und Kinder mussten die Nacht auf der Straße verbringen.
Der Direktor und der Koordinator haben mit einer Abordnung beim Gesundheitsministerium vorgesprochen. Sie konnten gegen Abend wieder in das Haus zurückkehren. Nun dürfen sie dort so lange bleiben, bis sie eine andere Unterkunft gefunden haben. Aber sie leben in ständiger Angst vor weiteren Anschlägen.
Eine andere Unterkunft wird es aber nicht geben, wenn nicht Menschen helfen, ein Grundstück zu erwerben und Unterkünfte zu bauen.
Zur Zeit können sie nur noch an zwei Tretnähmaschinen arbeiten, die sie sich aus den kaputten Nähmaschinen zusammengebastelt haben. Die Computer und sonstiges Arbeitsmaterial sind nicht mehr zu reparieren. Dadurch haben sie fast keine Einnahmen mehr und noch mehr Schwierigkeiten, Lebensmittel einzukaufen und für sich und ihre Kinder zu sorgen.
Sie gehören zu den Menschen, die von der Regierung, Verwandten und der Welt vergessen und ignoriert werden.
Und trotzdem sind sie dort in gewisser Weise „glücklich“, weil sie ein Dach über dem Kopf haben und nicht alleine, sondern unter ihresgleichen sind.
Als Musa Bainda und ich später wieder im Auto saßen, konnten wir unsere Tränen nicht mehr zurückhalten und haben nur noch geheult. Es ist unglaublich, wie mit Menschen umgegangen wird und unter welchen schlimmen Bedingungen Menschen leben müssen.
Sie und ihre Lebensumstände gehen uns nicht mehr aus dem Kopf und es packt uns immer wieder das kalte Grausen.
Zwischenzeitlich ist Musa Bainda einige Male mit einer Abordnung im Ministerium für Land vorstellig geworden. Und er hat es geschafft! - die Regierung hat tatsächlich Land zur Verfügung gestellt, damit darauf Unterkünfte für die Behinderten und ihre Kinder gebaut werden können.
Also, das Land ist da. Nun werden dringend finanzielle Mittel für den Bau von Unterkünften benötigt.
Stichwort: „Handicap-Projekt“.
Grassfield-Schule/Schulimmobilie
Der Kauf der Schulimmobilie ist noch nicht abgeschlossen, da weitere 17.000,00 € gefordert wurden für Anwaltsgebühren und Steuern. Auf diese Forderung wollten und konnten wir uns nicht einlassen. Wir stehen noch in Verhandlungen. Den 1. Rechtsanwalt haben wir verlassen, weil er zu hohe Forderungen stellte. Der jetzige neue Anwalt hat zu uns mitgeteilt, dass wir ihm den Betrag geben können, den wir für richtig halten. Jetzt muss noch die steuerliche Seite geklärt werden.
Unsere SchülerInnen und Lehrkräfte sind absolut motiviert. Das Ergebnis: Unsere Schule hat zum wiederholten Mal im Vergleich zu anderen Schulen wiederum die besten Abschlussergebnisse erzielt. Darüber erhielten wir wieder eine Urkunde.
Weiter hat unsere Schule mit dem letzten Container Schulmöbel erhalten, die die Grundschule Wiefelstede zur Verfügung gestellt hat.
Und hier ein ganz dickes Dankeschön von allen Kindern und Lehrkräften an alle Sponsoren.
Während meines Besuchs in der Schule war es eine Freude für mich, zu erleben, wie sehr sich die Kinder über die Schulspeisung freuen. Jedes Kind bekommt eine Mahlzeit am Tag, oftmals auch zusätzlich ein Frühstück. Sie sind sehr glücklich darüber.
Ein Patenkind in Kenema erzählte mir, dass die Lehrer in ihrer Schule die Kinder nach Geld fragen. Und wenn sie kein Geld mitbringen würden, würden sie geschlagen. Darüber war ich sehr entsetzt, weil viele Eltern gerade mal die Schulkosten aufbringen können. Musa Bainda bestätigte diese Vorgehensweise vieler Lehrer in fast allen Schulen. Das Bildungsministerium unternimmt nichts dagegen.
Unsere Lehrkräfte fragen nicht nach Geld und die Kinder werden auch nicht geschlagen. Wenn das passieren würde, würden die Lehrkräfte sofort ihren Arbeitsplatz verlieren.
Schulprojekt im Dorf Mandu
Die inzwischen 44 (von ca. 100) gesponsorten Kinder im Dorf Mandu freuen sich darüber, zur Schule gehen zu können. Ein 14 jähriges poliogeschädigtes Mädchen hat von uns einen Rollator bekommen. Sie ist soooooo glücklich über ihren „Rolls Royce“.
Microcreditprojekt in Gerihun – für inzwischen 400 Frauen
Über den Erfolg des Microcreditprojekts in Gerihun habe ich mich sehr gefreut. Die geschäftsführenden Frauen haben das früher gepachtete Land inzwischen gekauft. Auch wird gerade ein kleines Haus mit Verkaufsräumen gebaut. Hierfür hat unser Verein Ende Mai 20 von noch 40 benötigten Säcken Zement zur Verfügung gestellt.
Ein absolut toller Erfolg für alle.
Frau B. aus Elsfleth, die dieses Projekt ermöglicht hat und Familie R.-S. aus Oldenburg, die dieses Projekt weiterhin unterstützt, werden sich sicherlich über diesen Erfolg auch sehr freuen.
Seit September profitiert die vierte 100er Gruppe Frauen von dem Microcreditprojekt.
Allerdings gibt es über die letzten Cassavaernte (eine kartoffelähnliche Frucht) eine nicht so gute Nachricht: Es sind viele Cassava ausgegraben -sprich gestohlen- worden aufgrund Hungers. Aber die Frauen haben es den unbekannten Diebinnen/Dieben verziehen, weil sie wissen, wie weh Hunger tut.
Patenkinder
Leider habe ich nicht alle Patenkinder besuchen können, da wir uns überwiegend beim Hospital in Bo aufgehalten haben, damit die Arbeiten dort weiter fortgeführt werden konnten – Musa Bainda mußte/muß dafür immer vor Ort sein. Vielleicht schaffe ich es im November, noch weitere Patenkinder zu besuchen.
Mary und Mohamed T.
Musa Bainda und ich haben sie im Mai und Juni besucht.
Beispielhaft für viele Kinder/Familien möchte ich über sie berichten. (Nicht nur ) Die beiden Kinder haben eine Patenschaft und dadurch die Möglichkeit, zur Schule gehen und überleben zu können. Darüber sind sie sehr glücklich. (Nicht nur) Sie leben unter fürchterlichen Bedingungen in einer aus verschieden großen Blechteilen, Holz, Pappe und dünnen Stämmen zusammengefügten zugigen undichten Hütte.
Der Vater, Herr T., ist 55 Jahre alt (meint er zumindest, ich denke, er ist älter) und kann nicht mehr viel arbeiten. Wenn sich die Gelegenheit ergibt, arbeitet er als Tagelöhner auf einem Bau und macht Mischungen – eine für ihn schwere und gesundheitsgefährdende Arbeit. Aber er nimmt die Arbeiten an, die er irgendwie bekommen und bewältigen kann.
(Er benötigt unbedingt ein paar Klamotten.)
Er ist sehr froh, dass Mary und Mohamed die Möglichkeit haben, Schulbildung zu erlangen. Er selbst ist nie zur Schule gegangen.
Mary ist inzwischen 14 Jahre alt und im September mit der Grundschule fertig. Anschließend geht sie weitere 6 Jahre in die Secondary-School. Sie ist eine sehr gute Schülerin.
Mohamed ist 19 Jahre alt und besucht die 2. Klasse der Secondary School. Auch er ist gut in der Schule.
Beide haben zum Ende der 6. Klasse die Chance, den Hochschulabschluß zu erlangen und dann entweder zu studieren oder eine Ausbildung zu beginnen – natürlich ist das wiederum nur mit einer Patenschaft möglich.
Wohnbedingungen:
Die Wohnbedingungen sind fürchterlich. Auf meine Frage u.a. hinsichtlich der vor der Tür stehenden Regenzeit berichtete der Vater, dass das Dach undicht sei.
Man versuche zwar, die Löcher zu stopfen, aber das Wasser suche sich immer seinen Weg. Auch würde bei heftigem Regen das Wasser auf der Rückseite in die Hütte eindringen und vorne wieder abfließen.
Die Hütte haben er und die Kinder aus vielen zusammengesuchten Blech-, Plastik- und Holzteilen selbst gebaut. Auch gebrauchte Matratzen wurden noch irgendwo aufgetrieben, so dass sie nicht direkt auf dem Boden schlafen müssen.
Hinter der kleinen Hütte wird aus einem Wassereimer „geduscht“.
Ein einziges Plumpsklo gibt es für über 200 Menschen.
Miete brauche er nicht zahlen, da die Hütte auf dem Grundstück seines Bruders steht. Alle übrigen Menschen, die ihre Hütten hier aufgebaut haben, müssen Miete zahlen.
Ich habe Herrn T. gefragt, ob ich die Hütte von innen fotografieren dürfe und er hat tatsächlich zugestimmt.
Die Hütte ist ca. 12 m² groß. Es gibt einen Vorraum, in dem Mohamed schläft und einen durch Wellplattenstücke getrennten kleinen Raum, in dem der Vater und Mary schlafen, damit Mary (14 Jahre) nachts nicht „besucht“ werden bzw. unbemerkt weggehen kann.
In der Hütte herrschte nach meiner Meinung totales Chaos. Viele der Schüsseln dienen dazu, Regenwasser vom undichten Dach aufzufangen. Auch werden kleine Vorräte (wenn es denn mal welche gibt), Holzkohle usw. darin gelagert. Wenn mal etwas Geld „übrig“ ist (= kaufen und verkaufen von Gemüse, Obst usw.), gehen Mary und Mohamed mit einer Schüssel mit Ware, die sie auf dem Kopf tragen, durch die Straßen, um die Ware zu verkaufen. Jeder noch so kleine Betrag ist wichtig, da es von der Regierung keinerlei Unterstützung für den Lebensunterhalt, Arztbesuche usw. gibt, geschweige denn für Baumaterial.
Als Musa und ich wieder im Auto saßen, haben wir überlegt, was getan werden kann, um die Hütte jedenfalls von oben gegen Regen zu schützen.
Mir fiel ein, dass ich unterwegs einen Händler gesehen hatte, der Plastikplanen verkauft. Wir fuhren sofort zu diesem Händler und kauften für umgerechnet 90,00 € fünf große Planen. Diese brachten wir sodann zu den T’s, damit sie ihre Hütte und gleichzeitig auch die Hütte ihrer Nachbarn, die direkt -nur getrennt durch zwei Wellblech“mauern“- an die T.-Hütte anschließt, mit diesen Planen abdichten können.
Alle waren total überglücklich und bedankten sich immer und immer wieder.
Logisch – nun können sie sich während der Regenzeit in der Hütte aufhalten/schlafen, ohne zumindest von oben naß zu werden.
Kadijatu Jalloh
Kadiatu Jalloh -ein hochintelligentes inzwischen 21-jähriges Patenkind- verbrachte über ein Jahr ständig im Krankenhaus und bei Ärzten und konnte nicht mehr zur Schule gehen. Niemand, auch nicht die Ärzte, wussten, was ihr fehlt. Trotzdem bekam sie ständig Medikamente. Im April hat Musa Bainda dafür gesorgt, dass Kadijatu zu einem anderen Arzt, der auch ein Röntgengerät besitzt, nach Makeni gebracht, untersucht und ein Röntgenbild angefertigt wurde. Aufgrund der Symptome und des Röntgenbildes wurde seitens des Arztes ein Herzfehler vermutet. Anschließend lag sie wieder im Regierungskrankenhaus in Freetown. Dort haben Musa Bainda und ich sie besucht. Als wir sie sahen, waren wir beide der Meinung, dass sie das Krankenhaus nicht mehr lebend verlassen würde, wenn nicht schnell Hilfe käme. Auch die Ärzte im Krankenhaus schüttelten nur noch mit dem Kopf. Sie wussten sich keinen Rat mehr.
Eine Anfrage im Klinikum Oldenburg hatte ergeben, dass eine Behandlung für Kadijatu übernommen werden wird. Die Kosten für Verpflichtungserklärung, Visum, Kranken- und Haftpflichtversicherungen sowie die Flugkosten musste unser Verein tragen. So kam Kadijatu (mit einem Visum für drei Monate) in Begleitung von Musa Bainda Anfang August nach Oldenburg und wurde gleich am nächsten Tag ins Klinikum gebracht. Musa Bainda war jeden Tag von morgens bis abends bei ihr.
Im Klinikum wurde Kadijatu von Kopf bis Fuß durchgecheckt. Eine Herzkrankheit konnte nicht festgestellt werden. Sie wurde nach ca. 2 ½ Wochen entlassen. Was nun? Was fehlt ihr? Was blieb noch? Die Psyche? Insofern hätte weder hier noch in SL eine Therapie erfolgen können. Musa Bainda und ich sahen Kadijatu schon wieder in Freetown im Krankenhaus liegen mit dem Ergebnis, dass sie irgendwann stirbt.
Während eines Treffens mit Frau Dr. Etavard-Gorris einen Tag nach Kadijatus Entlassung aus dem Klinikum sprachen wir auch über Kadijatus Gesundheitsprobleme. Frau Dr. Etavard-Gorris meinte, sie habe zwar eine Idee, wisse aber nicht, ob sie helfen könne. Wir sollten doch am nächsten Tag mit Kadijatu in die Sprechstunde kommen.
Am nächsten Tag hat Frau Dr. Etavard-Gorris bei Kadijatu festgestellt, dass mehrere Wirbel ausgehakt waren. Nachdem sie diese wieder in die richtige Position gerückt hatte, ging es Kadijatu von Tag zu Tag besser, sie blühte regelrecht auf. Nach 4 Behandlungen konnte sie als gesunde und fröhliche junge Frau Anfang September zusammen mit Musa Bainda wieder nach Sierra Leone zurückkehren.
Inzwischen geht sie wieder zur Schule und es geht ihr immer noch gut.
Sie und ihre Familie sind überglücklich und sagen herzlichen Dank dem Klinikum,
Frau Dr. Etavard-Gorris und dem Verein.
Und auch ich bedanke mich bei allen, die uns -bzw. den Menschen in Sierra Leone-, auf welche Weise auch immer, geholfen haben und weiterhin helfen werden. Ohne Ihre/Eure Hilfe könnten wir in Sierra Leone nicht helfen.
Es gibt noch sooooo viel zu tun.
Ich wünsche allen alles Liebe und Gute, vor allem aber Gesundheit.
Viele liebe Grüße und vielen Dank,
Gisela Bednarek
Was wir noch für das Hospital brauchen können:
Tretnähmaschinen
Scheren, farbige Nähgarne, Sicherheitsnadeln, Nähnadeln, Nahttrenner, Maßbänder,
Rock- und Hosengummiband
Babynagelscheren – vorne abgerundet
Fieberthermometer
Blutdruckmeßgeräte
240-l-Mülleimer
Kühlschränke – nicht älter als 5 Jahre
Waschmaschinen – nicht älter als 5 Jahre
Wäschetrockner – nicht älter als 5 Jahre
Fernseher – nicht älter als 5 Jahre
Gasherd mit Gasbackofen – nicht älter als 5 Jahre
Wäschetrockner zum Aufstellen (Balkon)
Wäschespinnen mit Bodenhülse
Ceranfeldschaber
DVD-Spieler, Beamer und Leinwand
Weltempfänger
Laptop - neuwertig
Scanner
Kopierer nebst Toner
Schreibtischlampen
Edding, Marker, Bleistifte, Radiergummis, Locher, Hefter
Kopierpapier, Notizblöcke
Solarlampen
WC-Reiniger, Scheuermittel, Spüli, Scheuerschwämme
Spachtel – verschiedene Größen
Zollstöcke
Reparaturband, silber sowie breites klares Band
Hammer, Nägel, Stemmeisen
Akkubohrer, Schrauben, Dübel
Schraubendreher, Zangen
Werkzeugkoffer
Luftdrucktacker
Astscheren
Gartengeräte
Regenrinnen, Haken und Schrauben dazu
Warnwesten
Schutzhelme
Arbeitssicherheitsschuhe mit Stahlkappen
Arbeitsanzüge
Fliesenschneidemaschine
eine große batteriebetriebene Außenuhr
