Ebola-Epidemie: Sierra Leone verhängt wieder dreitägige Ausgangssperre

Es sollen vom 27. bis 29. März 2,5 Millionen Menschen in der Hauptstadt Freetown sowie im Norden des Landes ihre Häuser nicht verlassen dürfen. Dennoch hofft die WHO, bald das Ende der Epidemie verkünden zu können.

Siehe Spiegel.de


Das Gespräch mit Hawanatu Jah, Ärztin im Ebola-Einsatz mit Cap Anamur: „Wichtig ist die Art, wie man hilft“

Hawanatu Jah hat auf dem Höhepunkt der Ebola-Epidemie in einem Kinderkrankenhaus in Sierra Leone gearbeitet. Die Ärztin spricht unter anderem darüber, was Aufklärung bewirken kann und dass Kooperation auf Augenhöhe der nachhaltigste Weg der Hilfe ist.

 

Dtsch Arztebl 2015; 112(10): A-399 / B-346 / C-338

von Korzilius, Heike

 

 

Hawanatu Jah (32) ist Ärztin am Klinikum Osnabrück. Einen Teil ihrer Kindheit verbrachte die angehende Gynäkologin in Sierra Leone. Ihr Vater, ein Chirurg, stammt von dort. Fotos: Cap Anamur

Es ist ein sonniger Wintertag in Osnabrück. In der Fußgängerzone geht es noch ruhig zu, als Hawanatu Jah mit ihrem Fahrrad vorfährt. Vor knapp zwei Monaten ist die zupackende Ärztin aus Sierra Leone zurückgekehrt. Acht Wochen lang hat sie dort im Auftrag der Hilfsorganisation Cap Anamur Kinder versorgt, bei denen der Verdacht bestand, dass sie sich mit Ebola infiziert haben. Einsatzort war das einzige staatliche Kinderkrankenhaus des Landes in Freetown (siehe Kasten). Die Hauptstadt von Sierra Leone ist noch immer einer der „Hotspots“ der Epidemie. „Von den nachweislich mehr als 8 000 Ebola-Fällen im Land, stammten 3 000 aus Freetown und der unmittelbaren Umgebung“, sagt Jah. In der Stadt leben zwei Millionen Menschen auf engstem Raum. „Es ist ein Wunder, dass dort nicht mehr passiert ist.“

Unter normalen Umständen können in der Kinderklinik 175 kleine Patienten stationär versorgt werden. Nachdem dort jedoch im August 2014 ein erster Ebola-Fall diagnostiziert wurde, schloss man das Krankenhaus vorübergehend. „Das hieß, 120 Kinder mussten von jetzt auf gleich entlassen werden“, erklärt Jah. Die Ansteckungsgefahr sei einfach zu groß gewesen. „Wir brauchten ein anderes Konzept.“ In der Folge hat Cap Anamur innerhalb von nur vier Wochen auf dem Nachbargrundstück eine Isolierstation mit 20 Betten „aus dem Boden gestampft“. „Das war wirklich eine Leistung“, sagt die Ärztin.

In dieser Einheit werden sämtliche Ebola-Verdachtsfälle aufgenommen. Die Kinder werden streng voneinander isoliert und von Anfang an symptomatisch behandelt: „Die Medikation besteht aus einer oralen Lösung zur Rehydration, Antimalaria-Medikamenten, Paracetamol gegen die Schmerzen und mindestens einem Antibiotikum, angepasst an die zusätzlichen Symptome“, erklärt Jah. „In der ersten Zeit waren 60 bis 70 Prozent der neuen Patienten Ebola-positiv.“ Damals schrumpfte die Zahl der nicht-infizierten Kinder, die im angrenzenden Krankenhaus behandelt wurden, auf durchschnittlich 30 bis 40. „Wer irgend konnte, wurde wegen der Infektionsgefahr mit oraler Medikation nach Hause geschickt“, erläutert Jah.

Der Aufnahme ins Krankenhaus oder auf die Isolierstation ist ein Screening vorgeschaltet, das jeder kleine Patient durchlaufen muss. Es herrscht eine strikte „No touch“-Politik. Die Anamnese erfolgt in einem Sicherheitsabstand von zwei Metern. „Da ist es essenziell, die Kultur zu verstehen und die Körpersprache mit lesen zu können“, sagt Jah. Das kann sie, denn sie hat selbst Wurzeln in Sierra Leone. Der Vater, selbst Chirurg, ist Sierra Leoner, die Mutter Deutsche. Jah verbrachte die ersten zehn Jahre ihres Lebens in Bo, der zweitgrößten Stadt Sierra Leones. Dann brach der Bürgerkrieg aus (1991 bis 2002), Mutter und Tochter kehrten nach Deutschland zurück. Der Vater blieb. „Er hat den Bürgerkrieg sozusagen im OP verbracht“, sagt Jah.

Die beiden eint die Verbundenheit mit dem westafrikanischen Land. „Ich habe den sprachlichen und kulturellen Hintergrund. Ich bin Ärztin. Warum sollte ich nicht vor Ort sein?“, fragt Jah. „So ein Einsatz ist ja kein Selbstmord. Mit Cap Anamur hatte ich die Sicherheit einer zuverlässigen Versorgung mit Schutzmaterial. Und wenn ich weiß, wie ich mich anstecke, weiß ich auch, wie ich mich schützen kann.“ Dazu gehöre das strikte Befolgen von Regeln. Eine der wichtigsten sei, dass nichts die Isolierstation wieder verlasse – „Gegenstände, Kleidung, alles wird verbrannt“. Komme man als Ebola-Verdachtsfall auf die Isolierstation, führten nur drei Wege wieder hinaus: Ebola-negative Patienten verließen die Station dekontaminiert, also nackt. Ebola-positive Patienten würden im Ambulanzfahrzeug in die Behandlungszentren verlegt und die Toten von Beerdigungsteams abgeholt.

Jahs Arbeitsalltag war neben dem Dienst auf der Isolierstation vor allem von Organisation, Koordination und Kommunikation geprägt. Viele einheimische Kollegen seien beispielsweise mit den Regeln der Kontamination und Dekontamination nicht vertraut gewesen. „Wir haben dort Reinigungskräfte, die haben keinen Schulabschluss. Von denen kann man nicht erwarten, dass sie alles sofort nachvollziehen und umsetzen können“, gibt Jah zu bedenken. „Man ist den ganzen Tag damit beschäftigt zu erklären, damit die Dinge richtig laufen, auch wenn man selber nicht mehr da ist.“ Aufklärung, Aufklärung, Aufklärung – das sei der Ansatz, mit dem man letztlich gute Erfolge erzielt habe.

 

Sorgfalt ist lebenswichtig: Hawanatu Jah hilft einem Kollegen beim Anlegen des Ebola-Schutzanzugs.

Mit 23 000 Infizierten und mehr als 9 000 Toten ist die aktuelle Ebola-Epidemie die bislang schwerste. Frühere Ausbrüche konzentrierten sich auf relativ isolierte Regionen in Zentralafrika und forderten „nur“ einige Hundert Opfer. Wie konnte der aktuelle Ausbruch derart außer Kontrolle geraten? „Ebola war in Westafrika unbekannt“, sagt Jah. Entsprechend lange habe es gedauert, bis man die Gefahr erkannt habe. Ihren Ausgang nahm die Epidemie im Dezember 2013 im Dreiländereck von Guinea, Liberia und Sierra Leone. „Das ist vom Kongo, dem Ort des letzten Ausbruchs, so weit entfernt wie Lissabon von Moskau“, meint Jah. „Können Sie sich vorstellen, dass jemand in Lissabon glaubt, er hat sich mit einem Virus aus Moskau angesteckt?“

Dazu kommt: „In Westafrika, wo Malaria endemisch ist, ist es normal, wenn man mal Fieber hat.“ Da neigten die Menschen dazu, auf ihre angestammten Heilmittel zu vertrauen. Vor diesem Hintergrund sei das anfängliche Misstrauen gegenüber „fremden Wesen“ in Schutzanzügen, die geliebte Menschen mitnehmen wollten, vielleicht eher verständlich. „In den ersten Monaten ging es in erster Linie darum, die Bevölkerung darüber aufzuklären, dass Ebola existiert“, meint Jah. Die effektive Bekämpfung der Erkrankung hat das stark verzögert. Dazu kommt, dass das Gesundheitswesen des Landes, das zu den ärmsten der Welt gehört, kaum die Basisversorgung der Bevölkerung gewährleisten kann. Mit einer Epidemie dieses Ausmaßes war es gänzlich überfordert. Ein weiterer Rückschlag war die große Zahl der Todesopfer unter den Ärzten und Pflegekräften. „Vor dem Ebola-Ausbruch gab es in Sierra Leone 170 Ärzte“, sagt Jah. „Jetzt sind es noch 100. Alle Ärzte, die sich infiziert haben, sind gestorben. Das ist wie ein Fluch.“

Inzwischen scheint in Sierra Leone der Höhepunkt der Erkrankungswelle überschritten, obwohl die Zahl der Neuerkrankungen schwankt. Die Bekämpfung der Infektion ist effizienter geworden, die internationale Hilfe greift. Doch wie soll es langfristig weitergehen? „Ich halte es für essenziell, dass Sierra Leone mit Hilfe internationaler Kooperation den Wiederaufbau aus sich selbst heraus bewältigt“, sagt Jah. Die Entwicklungspolitik der 1970er und 1980er Jahre habe viel Geld bereitgestellt, aber Projekte aufoktroyiert. „Das führt zu nichts. Wir brauchen einen anderen Ansatz, wenn nachhaltige Unterstützung geleistet werden soll. Wichtig ist die Art, wie man hilft.“

Heike Korzilius


Gedenken an den „armen, tapferen Doktor“

Dr. Buakarie Mansaley Kobba ist einer der ersten afrikanischen Studenten an der Philipps-Universität gewesen. Nun ist der Mediziner in Sierra Leone gestorben – ein Nachruf eines Weggefährten.

von Gangolf Seitz

Marburg. Kobba wurde Anfang der dreißiger Jahre in Mobai im westafrikanischen Staat Sierra Leone geboren. Nach dem Abitur kam er in den 1950er-Jahren zum Medizinstudium an die Philipps-Universität. Mit seinem Charme und seiner Kontaktfreudigkeit konnte er schnell ein Netzwerk aus Verbindungen innerhalb und außerhalb der Universität knüpfen, das viele Jahrzehnte halten sollte. Nachdem er in Marburg promoviert wurde, erwarb er in Hamburg das Diplom in Tropenmedizin und in Berlin ein Diplom in öffentlichem Gesundheitswesen.

Zurück in Afrika verbrachte er einige Zeit in einem staatlichen Krankenhaus, bevor er in sein Dorf Mobai zurückkehrte und dort begann, als Arzt zu arbeiten. Seine Freunde in aller Welt halfen ihm mit Spenden für den Bau eines Krankenhauses. 1968 konnte die „Eastern Clinic“ eröffnet werden. Das hier arbeitenden Personal war sämtlich von Kobba selbst ausgebildet worden und hielt ihm zum Teil über Jahrzehnte die Treue. Die folgenden zwanzig Jahre waren vermutlich die glücklichsten in Kobbas Leben. Die Klinik entwickelte sich kontinuierlich, nicht zuletzt wegen der anhaltenden materiellen und personellen Unterstützung aus aller Welt.

Die Philipps-Universität, motiviert von den Hygiene-Professoren Siegert und Bommer, plante die Errichtung einer Forschungs- Außenstelle in Mobai. Dazu ist es nie gekommen, aber tatsächlich sind mehrere Forschungsvorhaben und Dissertationen in Mobai erfolgreich durchgeführt worden. Vielfältige Publikationen haben von Kobbas Arbeit berichtet, darunter das Deutsche Fernsehen, das Deutsche Ärzteblatt, die Zeit und immer wieder die Oberhessische Presse.

Kobba hatte erkannt, dass unter den in Afrika herrschenden Bedingungen vor allem eine prophylaktisch ausgerichtete Medizin gefördert werden muss. Im Rahmen eines von ihm durchgeführten „Modellvorhabens zur ländlichen Gesundheitsvorsorge“ wurden mehr als hundert Dörfer mit hygienischen Brunnen und Latrinen ausgestattet. Das „Underfives“- Progamm der Klinik besuchte mit einer mobilen Einheit regelmäßig Dörfer in der Umgebung, um dort kleine Kinder zu untersuchen, zu impfen, zu behandeln und ihre Mütter in Fragen der Hygiene und Ernährung zu beraten. In der „Eastern Clinic“ standen für die kurative Medizin etwa 50 Betten zur Verfügung, ein kleines Labor, zeitweilig auch eine Röntgeneinheit; regelmäßig wurden operative Eingriffe vorgenommen. 1987 konnte ein Erweiterungsgebäude in Betrieb genommen werden.

Kobba begriff, dass ein Krankenhaus, zumal in Afrika, defizitär arbeiten wird, wenn es eine gute und patientenorientierte Medizin leisten will. Da er nicht dauerhaft auf Spenden angewiesen sein wollte, begann er zur finanziellen Absicherung mit landwirtschaftlichen Projekten. Reisfelder wurden angelegt und vor allem Ölpalmplantagen gepflanzt. 1979 konnte er mit holländischer Hilfe eine Ölmühle errichten, wo das als Nahrungsmittel begehrte Palmöl gewonnen und gleichzeitig Seife hergestellt wurde.

Kobba war seinen Mitarbeitern ein strenger Patriarch, seinen vielen Freunden und Wegbegleitern ein nicht immer einfacher Partner, der mit zähem Streben seine Projekte vorantrieb. Vermutlich konnte er nur so seinen Traum verwirklichen, mitten im westafrikanischen Busch eine effektive Gesundheitsversorgung aufzubauen. Die Erfolgsgeschichte der „Eastern Clinic“ nahm ein jähes Ende, als Mobai 1991 im ausbrechenden Bürgerkrieg von Rebellen überrannt wurde. Kobba, seine Familie und sein Personal mussten fliehen und die Klinik mit den Patienten zurück lassen. Die Rebellen brannten die Klinik bis auf die Grundmauern nieder. Die Ölmühle wurde zerstört.

Die nächsten zehn Jahre verbrachte Kobba als Flüchtling. In einem Vorort von Freetown plante er einen Hospitalneubau, der aber wegen der Kriegsereignisse nie in Betrieb ging. Nachdem die Rebellen Freetown erobert hatten, wurde Kobba für mehrere Monate in dem gefürchteten Gefängnis Pademba Road inhaftiert. Anschließend floh er ins benachbarte Guinea. Nach Ende des Krieges praktizierte Kobba weiter als Arzt in Freetown. Der sierra-leonesische Staat verlieh ihm die Auszeichnung eines „Commander of the Order of the Republic“.

Kobba zog sich in den letzten Jahren in seinen Geburtsort Mobai zurück, wo er in kleinem Umfang Kranke behandelte und sich um seine Palmölplantagen kümmerte.

„Armer tapferer Doktor Kobba“ titelte die Zeitung „Die Zeit“ 1977 – denn persönlichen Reichtum hat er nie besessen. Seine unendliche Energie gab er seinem Land und den Menschen aus seinem Dorf. Trotz aller Rückschläge arbeitete er bis zum Schluss an seinen Projekten, immer ungeduldig voranstrebend.

Kobba war verheiratet mit Agnes Comber, die ihm vier Kinder schenkte. Ihr und seinen Kindern und Enkeln gilt unsere Anteilnahme. Die Bevölkerung von Mobai sowie ein großer Freundeskreis in Europa und Nordamerika beklagen den Tod eines außergewöhnlichen Menschen, der uns gezeigt hat, wie Humanität gelebt werden kann. Dr. Buakarie Kobba ist Mitte Februar gestorben.

(Dr. Seitz)
 
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Hilfe direkt Oldenburg-Sierra Leona, von Gisela Bednarek
Kleine Clinic in der Berry-Street in Freetown:
Nachdem mich Anfang 1993 ein Brief von Dr. Kobba erreichte, in dem er von dem Rebelleneinfall in Sierra Leone und Flucht aus Mobai berichtete und dass er gerne wieder praktizieren wolle, aber  nicht einmal mehr ein Blutdruckmessgerät habe, sammelte ich Einrichtungs- und medizinisches Material sowie Medikamente. Dies alles wurde im Oktober 1993 in einem großen Container nach Freetown geschickt. Seitdem praktizierte Dr. Kobba einige Jahre in dem ihm von der Methodistenkirche zur Verfügung gestellten kleinen Gebäude in der Berry-Street.

Hospitalneubau in Hastings - Vorort von Freetown:
Drei Container mit Einrichtungs-, medizinischem Material, Medikamenten sowie Babynahrung usw. wurden gesammelt und für das neue Krankenhaus in Hastings nach Sierra Leone geschickt.

Das Krankenhaus nebst Material wurde durch die Rebellen während ihres Marsches auf Freetown völlig zerstört.

Für mich trägt Dr. Kobba den Beinamen "Stehaufmännchen", da er trotz vieler Rückschläge immer wieder zum Wohle seiner Landsleute aufgestanden ist und nach vorne geschaut hat.

 Gila Bednarek

Masern bald schlimmer als Ebola?

In West Afrika ist die Impfquote seit dem Beginn der Ebola-Epidemie um 75 Prozent gesunken.

 

Westafrika: Masern bald schlimmer als Ebola?

Freitag, 13. März 2015     Quelle: Ärzteblatt

Krisen, Kriege und Naturkatastrophen ziehen häufig Seuchen nach sich, wenn das Gesundheitswesen zusammenbricht. Zu den ersten Folgen gehören Masern-Epidemien. Das Virus ist extrem ansteckend und bei einer Unterbrechung von Impfkampagnen steigt die Zahl der nicht-immunisierten Kleinkinder schnell an. Bald ist die kritische Menge für eine Masernepidemie erreicht. Dies war 2012 in Syrien der Fall, aber auch nach dem Ausbruch des Vulkans Pinatubo im Jahr 1991 kam es zu einer Epidemie. Ebenso während einer politischen Krise in den 1990er Jahren in Haiti oder nach der Hungersnot von 2000 in Äthiopien.

Jetzt befürchtet ein internationales Forscherteam einen Masern-Ausbruch in Guinea, Liberia und Sierra Leone. Dort ist die Impfquote seit dem Beginn der Ebola-Epidemie um 75 Prozent gesunken. Schon bald wird es dort 1,1 Millionen Kinder im Alter von 9 Monaten bis 5 Jahre geben, die nicht geimpft sind. Das Masernvirus würde hier auf fruchtbaren Boden fallen.

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Ein Team um Justin Lessler von der Bloomberg School of Public Health in Baltimore kommt in Modellrechnungen zu dem Ergebnis, dass im Fall eines Masern-Ausbruchs 227.000 Menschen erkranken können. Von ihnen würden – begünstigt durch das Fehlen einer Krankenversorgung – zwischen 2.000 und 16.000 an der vermeintlich harmlosen Kinderkrankheit sterben. Das wären dann im ungünstigen Fall mehr Menschen als bisher an Ebola gestorben wären (derzeit etwa 10.000).

Auch die Impfkampagnen gegen Polio, Tuberkulose, Haemophilus influenzae Typ b, Keuchhusten, Tetanus, Hepatitis B und Diphtherie haben sich verzögert. Gestört ist auch die Gesundheitsversorgung für Menschen mit Malaria, HIV und Tuberkulose. Der Rückgang der Ebola-Fälle ist deshalb noch lange nicht das Ende der humanen Katastrophe in Westafrika.

 

Ebola: „Die letzte Meile ist die schwierigste“

Die Nothilfe der Bundeswehr in Westafrika soll im März eingestellt werden. Im Vordergrund stünden jetzt die Maßnahmen, die die Infektionskette endgültig durchbrechen, erklärte der Ebola-Sonderbeauftragte der Bundesregierung.

 

Ebola: „Die letzte Meile ist die schwierigste“


Dtsch Arztebl 2015; 112(10): A-398 / B-345 / C-337

Richter-Kuhlmann, Eva